ASAnja SchiffersMathematik · KI · Wissen KI-Werkstatt

KI sicher und sinnvoll im Unterricht einsetzen.

Vier kompakte Module verbinden rechtliche Orientierung, didaktische Entscheidungen, Materialprüfung und bessere Prompts – damit aus einem KI-Entwurf gutes Unterrichtsmaterial wird.

Mit dem Schnellcheck starten

Vor jeder Eingabe

Darf dieses Material in den KI-Dienst?

Entscheidend ist nicht der Markenname eines Tools, sondern was du eingibst, wofür du den Dienst nutzt und welche Regeln deine Schule dafür festgelegt hat.

Ohne Personenbezug

Arbeite möglichst mit erfundenen, anonymisierten oder selbst formulierten Beispielen.

Freigabe prüfen

Beachte Dienstvereinbarungen, schulische Vorgaben, Altersgrenzen und Auftragsverarbeitung.

Im Zweifel nicht eingeben

Namen, Noten, Förderbedarfe, Gesundheitsdaten und vertrauliche Dokumente bleiben draußen.

01

Rechtlich umsichtig

KI sicher einsetzen

Datenschutz, Urheberrecht und KI-Verordnung sind keine einfache Ampelliste. Ein sicherer Einsatz beginnt mit Datenminimierung, einem geklärten Zweck und den Vorgaben des Schulträgers oder der Schule.

Daten minimieren

Keine personenbezogenen oder vertraulichen Angaben eingeben, wenn sie für den Zweck nicht zwingend erforderlich und rechtlich abgesichert sind. Anonymisieren heißt mehr als Namen zu löschen: Auch Kombinationen aus Klasse, Situation und Merkmalen können Personen erkennbar machen.

Rechte klären

Eigene Aufgaben sind meist der einfachste Ausgangspunkt. Bei fremden Werken hängen erlaubte Nutzungen vom konkreten Umfang, Zweck, Zugang und der Lizenz ab. § 60a UrhG erlaubt für Unterricht und Lehre bestimmte Nutzungen – aber nicht pauschal jeden Upload in einen externen Dienst.

Transparenz ernst nehmen

Der EU AI Act verlangt keine pauschale Kennzeichnung jedes KI-Schnipsels. Seit 2. August 2026 gelten differenzierte Transparenzpflichten, etwa für Deepfakes und bestimmte Texte von öffentlichem Interesse. Im Unterricht ist eine offene Dokumentation der KI-Nutzung trotzdem pädagogisch sinnvoll.

Werkzeug-Check statt Marken-Ampel

Sechs Fragen vor dem Einsatz

Ein Anbieter kann seine Bedingungen ändern. Deshalb prüfst du Kriterien – und dokumentierst die Entscheidung.

  1. Freigabe: Ist der Dienst schulisch oder durch den Schulträger freigegeben?
  2. Zweck: Ist klar, wofür die Eingabe und Ausgabe gebraucht werden?
  3. Daten: Welche Daten werden übertragen, gespeichert oder zum Training genutzt?
  4. Vertrag: Sind Verantwortlichkeiten und gegebenenfalls Auftragsverarbeitung geklärt?
  5. Zugang: Stimmen Altersgrenzen, Kontenmodell und Zugriffsschutz?
  6. Löschen: Lassen sich Verläufe, Dateien und Konten nachvollziehbar entfernen?
02

Lernen im Mittelpunkt

KI pädagogisch sinnvoll einsetzen

Die Leitfrage lautet nicht „Was kann das Tool?“, sondern „Welche Denkhandlung soll bei den Lernenden stattfinden?“

Weniger hilfreich

Antwortmaschine

Die KI liefert sofort Ergebnis, Erklärung und fertigen Text.

Sokratische Lernbegleitung

Die KI stellt eine Frage, wartet auf den eigenen Versuch und gibt erst dann einen kleinen Hinweis.

Weniger hilfreich

Komplette Delegation

Planung, Aufgaben und Bewertung werden ungeprüft übernommen.

Sparringspartner

Die KI erzeugt Varianten oder Einwände; die Lehrkraft trifft begründete didaktische Entscheidungen.

Weniger hilfreich

Nur das Produkt zählt

Ein glattes Ergebnis verdeckt, wie es entstanden ist.

Prozess sichtbar machen

Zwischenstände, Quellen, Prompts und Änderungen werden Teil des Lernnachweises.

Planungsfrage: Was können die Lernenden nach dem KI-Einsatz besser selbst erklären, prüfen oder entscheiden als vorher?

03

Vier-Punkte-Check

KI-Material systematisch prüfen

Eine überzeugende Formulierung ist noch kein Qualitätsnachweis. Prüfe jeden Entwurf in vier getrennten Blickrichtungen.

1

Fakten

  • Stimmen Zahlen, Namen und Daten?
  • Sind Quellen echt, erreichbar und passend?
  • Ist das Wissen aktuell genug?
2

Logik

  • Folgt der Schluss wirklich aus den Angaben?
  • Sind Voraussetzungen genannt?
  • Passen Aufgabe und Lösung zusammen?
3

Sprache

  • Ist der Auftrag eindeutig und altersgerecht?
  • Sind Fachbegriffe korrekt?
  • Unterstützt die Form das Lernziel?
4

Bias

  • Welche Perspektiven fehlen?
  • Werden Stereotype reproduziert?
  • Sind Beispiele fair und vielfältig?

Die fachliche und pädagogische Verantwortung bleibt bei der Lehrkraft. KI kann eine Prüfung unterstützen, aber die Entscheidung nicht übernehmen.

Mini-Übung aus der Fortbildung

Findest du den KI-Fehler?

Eine scheinbar fertige Grafik beschreibt eine zylindrische Dose mit Radius 3,3 cm und Höhe 11,5 cm – und behauptet, ihr Volumen betrage 330 cm³.

Lösung und didaktische Idee anzeigen

Mit V = π · r² · h ergibt sich π · 3,3² · 11,5 ≈ 393 cm³, nicht 330 cm³. Für 330 cm³ müsste die Höhe bei gleichem Radius ungefähr 9,65 cm betragen. Der Fehler eignet sich als Anlass, Zahlen, Formel, Einheiten und Plausibilität getrennt zu prüfen.

r = 3,3 cm330 cm³?h = 11,5 cm
04

Bessere Arbeitsaufträge

In Etappen statt mit einem Monster-Prompt

Prompt Chaining zerlegt eine komplexe Aufgabe in prüfbare Schritte. Meta-Prompting lässt die KI zuerst Rückfragen stellen oder den Arbeitsauftrag verbessern.

1

Rahmen klären

Lernziel, Lerngruppe, Vorwissen, Zeit, Material und Grenzen nennen.

2

Entwurf erzeugen

Zunächst Struktur oder Varianten anfordern – noch nicht das fertige Arbeitsblatt.

3

Prüfen und schärfen

Mit Kriterien prüfen lassen, selbst kontrollieren und gezielt überarbeiten.

Meta-Prompt zum Kopieren

„Bevor du einen Entwurf erstellst: Stelle mir nacheinander höchstens fünf Rückfragen, die für Lernziel, Lerngruppe, Vorwissen und Rahmenbedingungen wirklich nötig sind. Fasse anschließend meinen Auftrag zusammen und nenne zwei Punkte, die ich fachlich oder didaktisch prüfen sollte.“

Offizielle Grundlagen · zuletzt geprüft September 2026

Zum Nachlesen